Finanzbildung: Wie die Volksbanken Schule machen

Kein Zweifel: Finanzielle Bildung ist mehr denn je eine Schlüsselkompetenz für gesellschaftliche Teilhabe und persönliche Selbstbestimmung. Um junge Menschen frühzeitig zu stärken, haben die Volksbanken das Thema Jugendfinanzbildung in den vergangenen Monaten österreichweit strukturell verankert.

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigen aktuelle Studien deutlich: Laut der Ö3-Jugendstudie etwa wünschen sich mehr als 80 Prozent der 16- bis 25-Jährigen mehr Finanzbildung im Unterricht – viele sprechen sich sogar für ein eigenes Schulfach aus. Gleichzeitig geben rund 80 Prozent an, in der Schule bislang wenig oder gar nichts über Wirtschaft und Finanzen gelernt zu haben. Auch andere Erhebungen bestätigen dieses Bild: Fast jede zweite junge Person fühlt sich im Umgang mit Finanzthemen unsicher.

Finanzbildung ist daher kein Nice-to-have, sondern eine zentrale Zukunftskompetenz. Sie ermöglicht ökonomische Selbstbestimmung, stärkt die Entscheidungsfähigkeit und trägt zur gesellschaftlichen Stabilität bei. Gerade in Zeiten digitaler Zahlungsmodelle, neuer Anlageformen und wachsender Konsumangebote braucht es Orientierung.

Hier knüpfen die Volksbanken mit ihren genossenschaftlichen Wurzeln an: Bildung, Aufklärung und die Befähigung zur eigenständigen wirtschaftlichen Teilhabe waren von Beginn an tragende Säulen der Genossenschaftsidee. Jugendfinanzbildung ist die zeitgemäße Weiterentwicklung dieses historischen Förderauftrags.

Von der Idee zum Konzept

Der entscheidende Entwicklungsschritt der letzten Monate entstand aus einer engen Zusammenarbeit zwischen der VB Ost Verwaltung, einer Eigentümergenossenschaft der Volksbank Wien, und der Volksbank Akademie. Gemeinsam wurde das Thema Jugendfinanzbildung strategisch aufgegriffen und als österreichweite Initiative neu gedacht. Unter der fachlichen Leitung der Akademie wurde die Zielsetzung formuliert, Jugendfinanzbildung österreichweit strukturiert aufzubauen – mit einheitlicher Qualität, abgestimmten Inhalten und einem gemeinsamen Auftritt.

Im Zentrum stand dabei eine doppelte Überlegung: Einerseits sollte ein klar erkennbares Look and Feel im gesamten Volksbanken-Verbund geschaffen werden. Schulen sollten ein konsistentes, professionelles Angebot erhalten – unabhängig davon, in welchem Bundesland sie mit einer Volksbank zusammenarbeiten. Andererseits ging es darum, die Jugendberaterinnen und Jugendberater der Volksbanken systematisch zu unterstützen. Ziel war es, dass sie nicht jedes Format von Grund auf neu entwickeln müssen, sondern auf erprobte Werkzeuge zurückgreifen können.

Ein Methodenkoffer mit zwölf Formaten

Die Antwort darauf war ein bundesweiter Jugendkatalog. In intensiver Entwicklungsarbeit wurden zwölf Formate ausgearbeitet, die nun österreichweit eingesetzt werden können. Der Jugendkatalog umfasst:

  • fünf Formate für die Oberstufe,
  • drei Spezialformate für Abschlussklassen
  • sowie vier Formate für die Unterstufe.

Jedes Format verfügt über klar definierte Lernziele, strukturierte Abläufe, methodische Hinweise und einheitliche Materialien. Schulen können aus dem Katalog jene Module auswählen, die zu ihrem Bildungskonzept und zur jeweiligen Klassenstufe passen. Die Jugendberaterinnen und -berater wiederum erhalten ein fertiges, qualitätsgesichertes Konzept, das direkt einsetzbar ist. Gleichzeitig bleibt Raum für individuelle Anpassungen und regionale Besonderheiten.

Parallel zur inhaltlichen Entwicklung wurde die Jugendberatung strukturell ausgebaut. Inzwischen gibt es in allen Bundesländern spezialisierte Jugendberaterinnen und Jugendberater oder Teams, die sich aktuell in Ausbildung befinden. Damit ist Jugendfinanzbildung nicht mehr punktuelles Engagement, sondern flächendeckend verankert. Die Verbindung aus zentral entwickelten Formaten und regionaler Umsetzung schafft eine stabile Grundlage für nachhaltige Bildungsarbeit. Für heuer ist klar definiert: Jugendfinanzbildung zählt zu den strategischen Schwerpunkten des Volksbanken-Verbundes.

Genossenschaften als logische Partner

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist das Engagement der Genossenschaften. Sie verstehen Bildungsarbeit vielfach als Teil ihres Förderauftrags. Die VB Ost hat dabei früh eine führende Rolle übernommen – nicht nur als Kooperationspartner in der Entwicklung der Initiative, sondern auch durch konkrete regionale Bildungsimpulse, etwa in Zusammenarbeit mit dem Wiener Jugendrotkreuz. Mit Projekten wie „Young Finance“ in Salzburg konnte Jugendfinanzbildung zusätzlich vertieft werden. Gemeinsam mit der Volksbank Salzburg und der Universität Salzburg wurde eine sechste Schulklasse über acht Einheiten hinweg begleitet – von finanziellen Grundlagen bis hin zu Investitionsfragen.

Für das Schuljahr 2026/27 sind weitere Entwicklungsschritte geplant. Bestehende Formate werden inhaltlich erweitert – unter anderem mit stärkeren Schwerpunkten zu Nachhaltigkeit und verantwortungsvollem Wirtschaften. Und auch Schülergenossenschaften werden als praxisnahes Lernmodell verstärkt in den Blick genommen. Dabei gründen Jugendliche im Rahmen des Schulunterrichts Modellgenossenschaften, die im kleinen Rahmen auch einen echten Geschäftsbetrieb aufbauen. So lernen die Schüler alle Facetten der genossenschaftlichen Unternehmensform und des kooperativen Wirtschaftens aus nächster Nähe kennen.